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Rubrik »Oekonux«
Projekt Oekonux: Eröffnung der Konferenz: Opening of conference   (Frei / 1. Nov. / 14:00 / Track B / Raum MA043)
Abstract:
Hinweise zu Organisation und Ablauf

Organizational hints and schedules
Stefan Meretz, Stefan Merten, Lutz Horn: Freie Software und Freie Gesellschaft: Einführung in die Oekonux-Debatte   (Vortrag / 1. Nov. / 15:00 / Track B / Raum MA043)
Abstract:
Auf verschiedenen Vortragsunterlagen entstand die »Oekonux Einführungskladde ohne Nutzungsexklusion« - kurz: OEkoNux. Diese Kladde - ein Foliensatz - ist auch die Grundlage unseres gemeinsamen Vortrages zur Einführung in die wichtigsten Elemente der Oekonux-Diskussion. Wer Oekonux noch nicht kennt, sollte das nicht versäumen!
Benni Bärmann: Kooperation und Konkurrenz in Freier Software und anderswo   (Workshop / 1. Nov. / 16:00 / Track B / Raum MA851)
Abstract:
In diesem Workshop soll eine auf der Oekonux-Liste begonnene Diskussion um das Begriffspaar Konkurrenz und Kooperation weitergeführt werden.

Sind Kooperation und Konkurrenz Gegensätze oder bedingen sie sich gegenseitig? Wie verhalten sich diese Begriffe zu den Begriffen Solidarität und Autarkie? Ist das Verhältnis von Kooperation und Konkurrenz in Freier Software anders als sonst? Wie genau? Inwiefern hilft die Theorie der Freien Kooperation bei diesen Fragen weiter? Um solche Fragen soll es gehen.
Stefan Merten: Emanzipatorische Vision, Eigentum und Freie Software: Neue Annäherungen an ein altes Thema   (Theorie / 1. Nov. / 18:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Der Beitrag wird zunächst einige wichtige Begriffe klären. Darunter emanzipatorische Vision, Entfremdung und Eigentum und Besitz. Dann wird er auf das Verhältnis von emanzipatorischer Vision und Eigentum an Informationsgütern (geistiges Eigentum) sowie das Eigentum an materiellen Gütern eingehen. Das Phänomen Freie Software wird als illustrierendes Beispiel für aktuelle Entwicklungen verwendet.
Projekt Oekonux: Mitgliederversammlung Projekt Oekonux e.V.   (Projekt / 1. Nov. / 20:00 / Track A / Raum MA841)
Abstract:
Die Mitgliederversammlung der Vereins Oekonux. Tagesordnung siehe Link.
Projekt Oekonux: Social event: Mit Live-Musik von DDD   (Frei / 2. Nov. / 19:00 / Track B / Cafe "TELQuel")
Abstract:
Gut essen, nett quatschen und den Konferenztag verdauen - mit Live-Musik der Pop-Band Durch Dick & Dünn!
Have a nice meal, have a nice chat, and relax from conference day - with live music from pop band Durch Dick & Dünn!
Ulli Wetzig: Virtuelle Welten - Kulturelle Aspekte - Revolutionäres Potential   (Vortrag / 3. Nov. / 15:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Virtuelle Welt ist nicht gleich virtuelle Welt.

Im Vortrag geht es nicht (oder nur am Rande) um eine der zahllosen Fantasy- oder ScienceFiction-Welten sondern um die virtuelle Abbildung einer real existierenden Stadt als Möglichkeitserweiterung der darin lebenden Bürger.
Stichworte:
Möglichkeiten, Kosten, Nutzen, Community-Bildung, Gilden, Meinungsaustausch, Datensicherheit, Ökonomische Modelle, Paralellwelt, zusätzliche Persöhnlichkeiten, kreative Möglichkeiten und revolutionäres und somit Weltfriedenpotential eines solchen Projektes - alles am Beispiel der Friedensstadt Osnabrück :-)
Projekt Oekonux: Auswertung der Konferenz   (Frei / 3. Nov. / 17:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Wie lief die Konferenz?
Was war gut, was war schlecht?
Wie geht's weiter?
Rubrik »Politik«
Stefan Meretz, Benni Bärmann, Uli Weiß, Willi Hajek: Freie Software im Empire   (Workshop / 2. Nov. / 10:00 / Track A / Raum MA141)
Abstract:
Der Diskussionskreis "Wege aus dem Kapitalismus" (WAK) aus Berlin hat sich in mehreren Diskussionsrunden und Veranstaltungen den Inhalt des dicken Wälzers "Empire" von Michael Hardt und Toni Negri erarbeitet. In einem Workshop wollen wir thesenhaft die für uns wichtigsten Diskussionsstränge und Thesen kurz vorstellen. Dabei soll ein Thema, das erstaunlicherweise in "Empire" nicht vorkommt, nicht ausgespart werden: Die Freie Software.

Mehr zu WAK: http://coforum.de?Wege_aus_dem_Kapitalismus und http://www.opentheory.org/wak
Jörg Bergstedt, Annette Schlemm: Freie Menschen in Freien Vereinbarungen: Diskussionen über die Bedingungen herrschaftsfreier Gesellschaft und die Wege dahin   (Workshop / 2. Nov. / 16:00 / Track A / Raum MA141)
Abstract:
Mit diesem Projekt/Workshop auf der zweiten Oekonux-Konferenz soll die Debatte um "Freie Menschen in Freien Vereinbarungen" der Jahre 1999/2000 wieder aufgenommen werden. Damals entstand in der Gruppe Gegenbilder das gleichlautende Buch. Inzwischen haben verschiedene Basisgruppen das Buch diskutiert, Lücken wurden aufgezeigt, Widersprüche entdeckt. Mit der neuen Phase sollen diese diskutiert werden. Ziel ist ein neuer, breit diskutierter Entwurf für die Bedingungen und Formen herrschaftsfreier Gesellschaft. Der Workshop auf der zweiten Oekonux-Konferenz soll den Rahmen der Debatte abstecken:
  • Was sind die Ziele?
  • Wie wollen wir zusammenarbeiten und was entwickeln?
  • Soll am Ende wieder eine Veröffentlichung stehen?
Zeitrahmen auf der Konferenz (Vorschlag): Zwei Phasen:
  • Inhaltliche Debatte
  • Konkrete Planung mit allen an der Weiterarbeit und sonstig Interessierten

Inhaltliches Intro

Eine Gesellschaft "Freier Menschen in Freien Vereinbarungen" ist eine konkrete Utopie, deren genaue Form nicht abgeschätzt werden kann. Zu groß ist der Unterschied zu den herrschaftsförmigen Gesellschaften der Gegenwart und Vergangenheit - und damit zu schwierig die Vorhersagbarkeit des individuellen und sozialen Verhaltens von Menschen ohne Zwangsverhältnisse. Anzunehmen ist, ist nach einem Prozeß des Abbau bekannter Herrschaftsverhältnisse noch weitere zum Vorschein kommen - die Emanzipation, d.h. die Loslösung und Überwindung von Zwängen, von Herrschaft und Beherrschung aller Art, wird ein langer, wahrscheinlich immerwährender Prozeß. Der Entwurf einer einheitlichen Utopie als zukünftiger Gesellschaftsform im herrschaftsförmigen Hier und Jetzt würde eine Vorgabe sein, die eher eine Beschränkung als einer Befreiung gleich käme. Daher sind Zukunftsentwürfe nur Möglichkeiten, jedoch ihre Beschreibung wichtig, da sie beschreiben - wenn auch aus der aktuellen Perspektive -, daß schon jetzt herrschaftsärmere Entwicklungen denkbar und erstrebenswert sind.

Eine abschließende Diskussion über die Details, über Machbarkeit und notwendige Vereinbarungen in der Zukunft wird angesichts des durch Herrschaftsverhältnisse beschränkten Horizontes, der eigenen Zurichtung auf herrschaftsförmige Wahrnehmung von Menschen und Gesellschaft sowie der nicht vorhandenen Erfahrungen kaum zu führen sein. Viele Möglichkeiten werden aus der heutigen Sicht gar nicht vorstellbar sein, so daß eine Festlegung einer Selbstbeschränkung gleich käme. Zudem muß noch ein weiteres Hindernis in der Diskussion ausgeräumt werden. Eine Analyse von Herrschaft und der Entwurf von Ideen und Konzepten einer herrschaftsfreien Gesellschaft muß nicht zu einer perfekten Welt führen. Es reicht, gegenüber dem heutigen Zustand erstens eine spürbare Abnahme von gewaltförmigen Beziehungen zwischen Menschen zu erlangen und zweitens die Situation so zu gestalten, daß ein immerwährender Prozeß möglich ist. Das würde reichen, um die Entwürfe als erstrebenswert zu empfinden und dafür einzutreten.

Die Fragestellung nach einer herrschaftsfreien Gesellschaft ist also nicht die nach dessen exakter Form: Wie sieht eine utopische Gesellschaft aus? Sondern der nach den Verhältnissen: Was fördert heute und in herrschaftsförmigen Gesellschaften die Konkurrenz und untergräbt Kooperation? Oder umgekehrt für die gewollte Utopie: Welche Rahmenbedingungen fördern kooperatives und behindern konkurrierendes Verhalten? Unter welchen Bedingungen gehen Menschen so mit sich und anderen um, daß sie ihre Potentiale entwickeln, das gleichberechtigte Miteinander bevorzugen und die eigene Selbstentfaltung so organisieren, daß sich die anderen Menschen auch selbst entfalten können?

Bei der Beantwortung solcher Fragen kommen viele Menschen zu der Auffassung, daß nur eine starke Moral den Menschen bändigen kann. Der Egoismus des Menschen stehe der Neigung zur Kooperation gegenüber - als Gegenmittel werden der Staat als aufklärerisch-kontrollierender Überbau, eine Religion oder der Appell an die Selbstzügelung genannt. Doch hinter diesen Auffassungen verbergen sich zwei entscheidende Irrtümer:
  • Alle Versuche, statt dem vom Egoismus angetriebenen Menschen ein soziales und am Interesse anderer Wesen zu schaffen, sind Formen der Fremdbestimmung - selbst wenn appellativ an das Gute im Innern angeknüpft werden sollte. Denn schlechtes Gewissen ist Fremdbestimmung, es orientiert sich an Erwartungshaltungen anderer, an Angst und normativen Setzungen. Gesetze, Moral, Esoterik und Religion sind ohnehin Wertesysteme, die von außen kommen und den Menschen steuern.
  • Den Egoismus überwinden zu wollen, bedeutet den Verzicht auf den impulsivsten, energiegeladensten Antrieb des Menschen. Der Versuch wird meistens scheitern, weil der Egoismus zu stark ist. Wo er gebrochen wird, bleibt oft ein kraftloses, persönlichkeitsschwaches Wesen zurück.
Tatsächlich wäre wichtig, genau das stark zu machen und kooperativ zu nutzen, was den Menschen im Kern antreibt: Sein Egoismus, der Wille nach einem besseren Leben, das Bedürfnis nach Sicherheit bzw. Geborgenheit, Lust und Befriedigung, Selbstentfaltung und Innovation - alles also Ziele, die vom Egoismus gespeist werden. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen so sein, daß diese Motivation die freie Kooperation fördert. Wenn es besser für ein gutes Leben usw., kooperativ zu handeln, dann wird das auch eher geschehen. Gesucht sind also Rahmenbedingungen, unter denen der Antrieb zu einem besseren Leben, der Egoismus der Menschen, weitestmöglich das kooperative Verhalten fördert und konkurrierende Beziehungen verdrängt.

Mit dieser Sichtweise erledigt sich auch die Frage nach dem Menschenbild. Was ist der Mensch? Ist er gut oder schlecht, wenn er von Zwängen befreit ist? Mit der Idee der "Freien Menschen in Freien Vereinbarungen" werden nicht die Menschen beschrieben, sondern die Rahmenbedingungen. Es geht um die Frage, welche Rahmenbedingungen maximal kooperatives Verhalten fördern und welche eher konkurrierendes, Dominanz ausübendes Verhalten hervorbringen. Für dieses Ziel ist unerheblich, wie der Mensch an sich ist. So oder so ist das Ziel, kooperatives gegenüber konkurrierendem Verhalten attraktiv zu machen. Das Ergebnis wird der Prozeß zu immer mehr kooperativ-gleichberechtigten Beziehungen zwischen Menschen und der Abbau von Konkurrenz und gewaltförmigen Verhältnissen sein - von welchem Menschenbild und welcher Anfangssituation auch immer ausgegangen wird. Die erhoffte Verbesserung, das mehr an Kooperation und das weniger an Konkurrenz ist die ausreichende Motivation zum Handeln.

Weitere Informationen

Kontakt

Gruppe Gegenbilder, c/o Projektwerkstatt, Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen, 06401/903283, projektwerkstatt@apg.lahn.de.
Michel Bauwens: Using peer to peer as the metaphor for the next paradigm   (Vortrag / 3. Nov. / 12:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:
As editor of two newsletters on the broad societal impact of technology on our future, I have come to the conclusion that the Peer to Peer principle is the key to understanding the unfolding of the next social model. P2P can first be traced in the field of technology, as the structure of the internet, in the file sharing model, and in more and more conceptions such as grid networking, mesh networks, and ad hoc networks in wireless. It is the technology, but also the production process, of which it can arguably be demonstrated that it is getting to be more productive than the old industrial paradigms. But P2P is of course also a form of social organisation, found in the first expressions of the post-global political movements, collaborative networking in enterprises, the free software and open source movements. Further, it is a culture, a worldview, as demonstrated by Pekka Himanen. And finally, it is a mode of the self, including the new ways of experiencing or dealing with spiritual concerns, as demonstrated by new methodologies such as John Heron's cooperative inquiry.

The purpose of the talk is to go through the different manifestations of peer to peer. We will also introduce the notion of evolutionary integralism (Jean Gebser, Ken Wilber, Don Beck, Temenos system) and how this can be squared with the need for a radical political subjectivity based on an understanding of the extreme nature of the challenges to humanity. Finally, we will stress that the advantage of using p2p is that it indeed integrates the basic moral stance of considering our fellow human beings as equals, and to only engage in cooperation without the use of exploitative power.
Rubrik »Projekte«
Sebastian Stegner: real.-mapping   (Projekt / 2. Nov. / 17:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Wir sind an den 'Voreinstellungen' Sozialen Lebens interessiert, wie sie durch gesellschaftliche Interdependenzen hervorgerufen werden. Davon möchten wir eine Globale "Karte" (Map) erstellen. Bei dem Projekt geht es um eine Re-Aneignung von Wissen. Wissen ist Teil des gesellschaftlichen Produktionsprozesses des Kapitals. Die Aneignung von Wissen ist nicht Form individueller Selbstentfaltung, sondern unterliegt der aktuellen historischen Produktionsweise und ist damit auch gleichzeitig Enteignungsprozess.

Die Projektidee von "reales Mapping" basiert auf der These ästhetischer und technischer, sowie ökonomischer/historischer Verhaeltnisse. Davon ausgehend soll eine Art Kartographie, als programmiertes Beziehungsgeflecht, die Bedingungen und Möglichkeiten dieser Verhältnisse qualitativ in ihre politisch gesellschaftliche Relation setzen, um einen frei zugänglichen Ansatz zu einer möglichen Übersicht zu bieten. Das Mapping soll datenbankbasiert online (im WWW) und offline (CD-ROM) visualisiert werden.

In der derzeitigen Pilotphase geht es darum, Optionen für die geplante Visualisierungstruktur (grafisch, inhaltlich, systemisch) auszuloten. Das Projekt ist bis Anfang 2003 dabei, computergestützte Darstellungsformen zu recherchieren (Content Management Systeme, Mappingstrategien). In einer 2. Phase (Realisierungsphase) wird das Mapping als offengelegte inhaltliche Recherche, und als Call-for-Participation geführt. Autoren und Gruppen sollen um theoretische und praktische Beiträge für das Mapping gebeten werden. Materialien digitaler Art werden mit der geo- und topografischen Karte gekoppelt, um im Internet und in Ausstellungen zur Verfügung gestellt zu werden.

Das Projekt real.-mapping befindet sich momentan noch in der Pilotphase. Eine Webpage wird im Oktober online gehen.
Stefan Meretz, Benni Bärmann: Verteilte Theorie-Entwicklung im Web: Weiterentwicklung ihrer Werkzeuge: Mailinglisten, open theory, WikiWiki   (Workshop / 3. Nov. / 10:00 / Track A / Raum MA649)
Abstract:
Es gibt inzwischen einige Werkzeuge im Internet mit denen man gut Theorie verteilt entwickeln kann und gerade im Projekt Oekonux werden diese sehr viel verwendet. Wir wollen dabei besonders über die Beispiele open-theory, WikiWiki und Mailinglisten reden. Zunächst wollen wir die spezifischen Vor- und Nachteile der einzelnen Systeme sammeln um dann in einem nächsten Schritt Anforderungen an ein System zu formulieren, dass die Vorteile aller drei Werkzeuge so weit wie möglich vereint und die Nachteile hinter sich lässt. Bitte mitbringen: Praktische Erfahrung mit mindestens einem der Werkzeuge; zumindestens oberflächliche Kenntnisse aller drei Systeme:
  • Mailinglisten: ...gibt es wie Sand am Meer. Als Beispiel sei auf den List-Provider JPBerlin verwiesen
  • WikiWiki: ...ist auch sehr verbreitet. Wir empfehlen einen Blick in das auch von Oekonuxis genutzte CoForum
  • open theory: ...hat nur wenige Installationen, am bekanntesten ist natürlich die Domäne opentheory.org selbst.
Rehzi: Revolutionäre Bildungsarbeit   (Workshop / 3. Nov. / 12:00 / Track B / Raum MA851)
Abstract:
In diesen Hartzen Zeiten, in denen praktisch jeden Tag ein neues Loch in das soziale Netz gerschnitten wird, in denen die moderne Versklavung all derer, die bislang nicht mehr verwertet werden konnten, voranschreitet, in denen Bildung zu einer Ware wird, die sich bald nur noch Wohlhabende leisten koennen werden, in denen das Leben der Menschen immer heftiger dem Konsumwahn unterworfen ist, in diesen Zeiten von Hartz und co, stellen wir uns die Frage, was wir all dem entgegenzusetzen haben. Das ist um so wichtiger, als wir momentan kaum in der Lage sind, diese Angriffe auf unsere Lebensqualitaet wirklich abzuwehren oder abzumildern. Was wir aber können, ist uns selbst und anderen helfen, Markt und Staatsabhängigkeit schrittweise zu überwinden und damit ein angenehmeres Leben zu führen und unseren Utopien näher zu kommen.

WHERE DO YOU WANT TO GO TODAY? - UTOPIA!

Alternativen im bestehenden System sind sicher nicht der einzige Weg zu seiner Ueberwindung, aber eine wichtige Massnahme der Solidaritaet sowie auch ein staendiges Experimentieren mit der Machbarkeit unserer Vorstellungen. Vor allem sind sie moeglich. Von Kommunen, besetzten Haeusern ueber Arbeitskollektive, Umsonstlaeden oder freie Schulen, es gibt bereits eine Menge Ansaetze, sich markt- und staatsferner (selbst-) zu organisieren. Das ist nicht nur eine politische Entscheidung, sondern ein konkreter Weg, Armut (Tauschringe, Umsonstlaeden), Vereinzelung (Kommunen, Wohnprojekte)- oder gesellschaftliche Zurichtung (freie Schulen) zu umgehen. Somit sind sie gelebte Solidaritaet, gelebte Kooperation.

Es ginge aber noch viel mehr, und es geht um viel mehr.

JEDER MENSCH IST EIN EXPERTE

Den allermeisten von uns wurde beigebracht, dass sie nichts wuessten, nichts koennten, ihre Entscheidungen besser 'ExpertInnen' ueberlassen und sich von diesen sagen lassen, wie sie ihr Leben zu organisieren haben.

JedeR hat aber spezielle Faehigkeiten, Talente und Wissen, das ihn oder sie auf diesem Gebiet zur sog. "ExpertIn" macht, und das er/sie/es anderen beibringen oder mit dem er/sie/es sich in gemeinschaftliche Projekte einbringen kann. Wir denken, dass all diese Faehigkeiten, Fachkenntnis und Kreativitaet, weitergegeben werden sollten. Damit "befaehigen und bemoeglichen" wir uns gegenseitig, nutzen unsere Ressourcen und lernen nicht zuletzt, eine 'andere Welt', so wie wir sie einmal haben moechten, zu leben.

FRECH, FROEHLICH, FREI UND FEIN: LINUX

Linux ist ein Computer Betriebssystem (genauer gesagt, nur ein Teil davon, aber das ist erst mal egal), das viele Eigenschaften einer 'anderen Welt', eines solidarischen, kooperativen Lebens und Arbeitens verbindet. Es wird in einem globalen Netzwerk von ProgrammiererInnen nach freien Stuecken (weiter-) entwickelt und ist so gut wie umsonst zu haben. Es gibt kein Patentrecht auf irgendeines der Programmeteile, im Gegenteil, mit dem GeneralPublicLicense wird sogar versucht, das Privatisierungsverbot juristisch abzusichern. Damit oeffnet Linux ein Fenster, durch das wir am Horizont die Umrisse davon erkennen koennen, wie Oekonomie ohne Markt und Macht und Staat organisiert sein kann. Gleichzeitig liefert diese Form der Produktion mit Linux im Vergleich zu den meisten kommerziell und in eine Form gepressten Programmen und Betriebssystemen die hoehere Qualitaet! Davon ist inzwischen auch die deutsche Regierung ueberzeugt. Der Bundestag stellt auf Linux um, andere Behoerden wollen nachziehen.

NO CORPORATE GREED

Linux Lernen, Lieben, Leben ist auch ein ernsthafter Angriff auf das Monopol von Micro$oft und die Idee der Patentierung von Wissen und Ideen. Die meisten Menschen sind angenervt davon, schlechte Qualitaet, die ueberdies mit ueberwachungsstaatlichen Mitteln ausgestattet ist und vor Sicherheitsluecken wimmelt, aufgedraengt zu bekommen, nur weil der Markt von einem einzigen Konzern beherrscht wird, der alles kleinhackt, was nach Konkurrenz riecht (ohne damit das Konkurrenzprinzip gutheissen zu wollen). Das fuehrt dazu, dass, wer nicht genug Geld hat, um sich Macintosh leisten zu koennen, und auch keine ComputerexpertIn ist, sich mit Windows und dazu kompatiblen Produkten und ihren massenhaften Fehlern herumschlagen muss.

ICH WEISS WAS WAS DU NICHT WEISST

Mit selbstorganisierten, politischen Linux Seminaren fuer AnfaengerInnen und Fortgeschrittene wollen wir unser Wissen mit Euch teilen und Euch die Moeglichkeit geben, Euch aus den Klauen von M$ und anderen zu befreien. Dabei wollen wir nicht Schulzeiten reproduzieren, sondern versuchen, die Kurse so gleichberechtigt wie moeglich zu gestalten. Einen Anfang macht das Forum im Oekozentrum Verden. Wir hoffen, dass andere diesem Beispiel folgen. Es waere schoen, wenn in allen Staedten und Doerfern Menschen anfangen wuerden, ihr Wissen mit anderen zu teilen: bildet Bildungsbanden!

Auf der Oekonux Konferenz moechten wir mit anderen ueber einen ReferentInnenpool und Vernetzung der verschiedenen Kurse nachdenken. Ausserdem suchen wir noch MitstreiterInnen fuer ein Linux Kursprogramm in Verden (und anderswo!).

We come to your house! Denkbar ist auch, in Institutionen, Infolaeden und Alternativen Zentren aller Art einen Kurs mit Installation abzuhalten. Wir kommen zu Euch, machen gemeinsam eine Installation und bringen Euch den Umgang damit bei... am besten mit einem/r "Techie" aus Eurer Naehe, an den ihr Euch dann in Zukunft wenden koenntet, wenn's brennt.
Rubrik »Freie Software«
Rishab Ayer Ghosh, Rüdiger Glott: The FLOSS study: Socioeconomics of free/open source software development   (Vortrag / 2. Nov. / 10:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:
In recent years, free software and open source software have gained enormous importance, in software markets as well as in policy-making. The main drivers of this trend have been the success of products like the Linux operating system or the Apache web server. However, only few is known about those who produce this kind of software, the community of open source and free software developers. In a comprehensive study, the F/LOSS project (F/LOSS stands for Free/Libre and Open Source Software) has revealed the socio-economic characteristics of this diverse community. Our presentation will, firstly, provide an overview of the methodology and the sample of the study. Following, we will present differences in the fundamental beliefs and motivations of the F/LOSS developers. In the latter context, we will focus on two aspects: Firstly, we will clarify the impact of closed software for the community of F/LOSS developers; secondly, we will critically discuss the hypothesis that very much of the principles of free and open source software development can be explained by economic motivations and orientations, which is a prominent point of view in economic literature.

Free Software und Open Source Software haben in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen, nicht nur für Softwaremärkte, sondern auch für die Politik. Wesentlich getrieben wurde diese Entwicklung durch den Siegeszug von Produkten wie dem Linux Operating System und dem Apache Web-Server. Über diejenigen, die diese Software erzeugen, die Community der Open Source- und Free Software-Entwickler, ist hingegen bisher nicht viel bekannt. Das F/LOSS-Projekt (F/LOSS steht für Free/Libre and Open Source Software) hat in einer umfassenden Studie die sozio-ökonomischen Merkmale dieser mannigfaltigen Community erhoben. Der Vortrag wird zunächst die Methodik und das Sample der F/LOSS-Studie vorstellen. Im Anschluss daran werden Unterschiede in den grundlegenden Orientierungen und den unterschiedlichen Motivationen der F/LOSS-Entwickler präsentiert. Zwei Aspekte werden dabei die Schwerpunkte unseres Vortrags ausmachen: Zum einen klären wir, welche Bedeutung Closed Software für die Community der F/LOSS-Entwickler hat, zum anderen setzen wir uns kritisch mit der in der Literatur über Free und Open Source Software häufig betonten These auseinander, dass die Prinzipien der Entwicklung von Free und Open Source Software weitgehend durch ökonomische Motive und Orientierungen erklärt werden können.
Andreas Tille: Freie Software in der Medizin: Integrative Softwareumgebung für alle medizinischen Bereiche auf der Basis von Debian GNU/Linux   (Vortrag / 2. Nov. / 10:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Nach der Etablierung von Linux als Serverbetriebssystem, entwickelt es sich nun auch zusehends zum akzeptablen Desktop-Betriebssystem. Die Hauptargumente hierfür sind Sicherheit und Kostengründe. Sehr großes Interesse finden dabei Büroanwendungen. Der Grund dafür ist die große Nutzerbasis, die das für Open Source Entwicklungen nötige Entwicklerpotential mit sich bringt.
Handelt es sich jedoch um die Lösung spezieller Aufgaben, wie etwa die Verwaltung einer Arztpraxis, so ist auf Grund des kleineren Anwenderkreises auch der Anteil der darunter befindlichen begabten Programmierer deutlich geringer. Seit einiger Zeit ist jedoch auch für viele Spezialgebiete Freie Software entwickelt worden und es besteht durchaus die Aussicht, daß Freie Software hier in Konkurrenz zu kommerziellen Produkten treten kann.
Diese Entwicklung ist durchaus wirtschaftlich sinnvoll. Der Bedarf für Wartung und Dienstleistung in diesen speziellen Gebieten ist deutlich höher und erfordert das Spezialwissen von auf dem jeweiligen Fachgebiet kompetenten Experten. Insofern spielen die reinen Anschaffungskosten der eingesetzten Software eine untergeordnete Rolle, was Freie Software durchaus interessant macht und interessante Geschäftsmodelle für Dienstleister ermöglicht.
Der Vortrag bietet einen Überblick über derzeit existierende Freie Software auf dem Gebiet der Medizin und skizziert, wie diese Software in die Debian GNU/Linux Distribution integriert werden kann. Es werden die Vorteile einer einheitlichen Integrationsplattform diskutiert und begründet, warum Debian GNU/Linux zu diesem Zweck ausgewählt wurde.

Sämtliche Vortragsmaterialien werden online zur Verfügung gestellt.

Bernhard Reiter: Kommerzielle Freie Software   (Vortrag / 2. Nov. / 12:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Dass Freie Software auch kommerzielle Software sein kann, ist noch keine weit verbreitete Erkenntnis. Das Konzept von Freier Software scheint in der heutigen Zeit noch so ungewohnt, dass es sich nicht in wenigen Minuten begreifen läßt. "Kommerziell" ist für manche Kreise ein positives Merkmal von Software und Freie Software kann dieses Merkmal auch besitzen. In wie weit und warum dies der Fall ist wird der erste Teil dieses Vortrag erklären zu suchen.

Weiterhin wird die These vertreten, dass kommerzielle Aktivitäten im Umfeld von Freier Software zu begrüssen sind und positive Effekte für die gesamte demokratische Gesellschaft fördern. Dazu wird erklärt, wie das Dienstleistungsgeschäft mit Freier Software strukturiert und welche Folgen das haben kann. Es wird skizziert, wie Freie Software den Unternehmen und der Unternehmenskultur nutzen kann. Also die betriebswirtschaftliche Sichtweise im Gegensatz zur reinen Volkswirtschaftlichen.

Die Beziehung zur Gesellschaft wird über die zentrale Rolle des Werkzeug Computers im post-industriellen Zeitalter und als Zugangsvorraussetzung für Teilnahme an einer Wissensgesellschaft hergestellt.
Gregorio Robles: Libre Software Engineering: An alternative view of Software Engineering   (Vortrag / 2. Nov. / 12:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:
Software Engineering has not been able to mature properly due to propietary practices that (still) predominate the world of commercial software. However, Libre Software and the development methods associated to Libre Software projects offer a great opportunity in order to gain further knowledge on how software is created as well as the interactions that exist among the different participants in its conception. This paper tries to present a quantitative approach based on the extraction, processing and analysis of information originated by/from Libre Software. To see the contributions and possibilities that this new vision may offer to Software Engineering and to Libre Software state-of-the-art and future plans in this field will be shown.
Jussi Silvonen: Linux User Groups and 'Linux Community'   (Vortrag / 3. Nov. / 10:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:
What is interesting in Linux is the social way in which the community has organized itself. Linux is a collaborative enterprise that would not exist without virtual communities, without large-scale collaboration on the Net. The participants of the open-source movement have a strong feeling too, of belonging to a community of their own. The open-development model has been possible owing to the openness of the Net. A new kind of global community of developers and end-users has emerged. The concept of community seems to be essential to people participating in this open-source movement. Little is known, however, how this “community” actually works, who the participants are, and what their practices and motives are. The total number of Linux User Groups was 493 in May 2002. Without these locally based, voluntary end-user groups the diffusion of Linux would probably not have been possible. The practices of a local Linux user community will be analyzed by using the Finnish Linux User Group as an example. The role of the Internet in the practices of this group will be examined as well the group’s relations to other Linux communities (local and global). The focus of the analysis is in the processes by which the user group defines its relation to the principle of open diffusion of Linux and pressures to commercialize this diffusion. Based on this analysis of one particular Linux community, some basic theoretical assumptions of the nature of virtual communities will be discussed.
Rubrik »Übertragung«
George Dafermos: Open Sourcing Innovation: A roadmap to socially-responsible, sustainable economic and technological growth   (Vortrag / 1. Nov. / 16:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:
In a time where economic and social prosperity are dependent upon society’s capacity to deliver, commercialise and fairly distribute the fruits of innovation, the imbalance between the pace of technical change and institutional innovation poses an obstacle that ought to be overcome if we are not to feel endangered by a world dreadfully out of control, in which technology is increasingly pervading our lives. Furthermore, evidence of widespread financial engineering malpractices and mounting dissatisfaction with the free market capitalist system have spread as a media virus overwhelming global financial markets and asking for a major restructuring in corporate governance. As a result, in the face of a global, networked economy where commercial exploitation of scientific knowledge gives rise to products and services which have a far-reaching social and environmental impact, such as in the case of genetically modified food and ‘zero-emission’ cars; the need to enforce upon companies obligations to communities is undeniable. To ease these tensions, a dramatically different approach towards social and economic organisation has to be enforced. For that approach to flourish, technological progress should not be viewed as an end in itself but as a means to tackle real human needs and societal concerns. The most prominent example of such community – centred organisation of distributed intelligence takes shape in the sphere of Libre Software development, most cited 'success' of which is the Linux OS, the brainchild of Net-savvy software developers sharing the hacker ideology – a digital artifact emanating from the Internet – enabled collaborative endeavour of thousands of volunteers under no central planning. On these premises, Libre Software communities and development models hold lessons that extend well beyond the limited realm of software engineering, and replication of a robust framework might lead to invaluable advance regarding deploying network resources to enhance the efficiency of distributed development practices and trigger radical innovation whilst extending its reach to include human rights, community - accountability and environmental sustainability.
Wolf Göhring: freie vernetzte kultur   (Workshop / 1. Nov. / 16:00 / Track A / Raum MA841)
Abstract:

Themen:

1. *************

Sprachen darstellen und lernen im Web. An der uni zuerich gibt's in kooperation mit HU Berlin ein project zum lernen zweier afrikanischer sprachen via internet:
Literatur: ALI - African languages on the internet. (4th international conference on new educational learning environment, Lugano, May 8-11, 2002, session "web-based courseware" 1.3, p. 3-6). http://www.unizh.ch/spw/afrling/aliakan/ und http://www.unizh.ch/spw/afrling/aliswahili/.

In diesem projekt ist englisch die lehr-sprache. Aber das koennten auch ganz andere sprachen sein z.b. tuerkisch oder baskisch oder saamisch. Also z.b. suaheli fuer tuerken, fuer basken, fuer russen, fuer chinesen, ........ Das lernmaterial kann neben text auch wort und video enthalten und schrittweise den zugang zu einem ganzen archiv von bild- und tonmaterial in dieser sprache oeffnen. Die lehrer koennen irgendwo ueber den globus verteilt sein und die per email zurueck geschickten uebungsaufgaben (text und wort) korrigieren.

Das web ermoeglicht es, auch sehr seltene, vom aussterben bedrohte sprachen zu bewahren.

Der sprachendienst der EU betreut rund 16 sprachen, demnaechst mehr, und muss von jeder in jede uebersetzen koennen. Seine materialien (maschinelle uebersetzer, woerterbuecher) sollten oeffentlich und kostenlos zugaenglich sein, so dass darauf "freie sprachkurse" aufsetzen koennen.

2. ****************

Sprachzusammenhaenge. Die universitaeren linguisten spueren auch sprachzusammenhaengen nach. Die studien und ergebnisse koennten und sollten via web popularisiert werden. Ich hab in den letzten monaten mal ganz dilettantisch solchen verwandtschaften nachgespuert. Beispielsweise heisst in einer afrikanischen sprache mit einer nicht-monotheistischen goetterwelt "gott" wodun. (Daher das wort "voodoo-kult" in den beiden amerikas). Die naehe von "wodun" zum germanischen "wotan" ist nun mehr als verblueffend. Spannend waere es, wenn die fuelle der sprachlichen zusammenhaenge auch historisch und oekonomisch eingeordnet, vertieft und auch popularisiert werden koennte. Dies liesse sich auch fuer eine didaktik freier sprachkurse nutzen.

3. *****************

Das Kaffeevideo. Praesentation der Idee, weltweit via Web ein Video zu produzieren, worin man der Frage nachgeht, wie man zu einer Tasse Kaffee kommt.

** Ein wenig Theorie zum Video **

Dieses Video ist, wenn es zustande kommt, in gewisser Weise eine Verschmelzung von Theorie und Praxis zur Frage der Aufhebung der Warenproduktion. (dazu: http://www.opentheory.org/kw48_00-2/text.phtml). In den Szenen und Wortbeitraegen kann die marxistische Sicht der Warenproduktion aufgezeigt werden. Indem die Autoren Szenen aufnehmen, die produktionsnah sind, wird ein idealistischer Touch vermieden. Indem sie die einerseits ineinandergreifende, andererseits durch den Austausch unterbrochene Arbeit zeigen, die Vorbedingung fuer das Schluerfen einer Tasse Kaffee ist, und indem sie gemeinsam vernetzt, aber weltweit verteilt diese Darstellung in einem Produkt, dem Video buendeln, zeigen sie zugleich, wie eine "freie Assoziation" via Web etwas gemeinsames produzieren kann. Das Produkt "Video" ist zwar bezogen auf die "kernige Realitaet", beispielsweise das Trinken einer Tasse Kaffee, nur ein virtuelles Produkt, aber die frei assoziierten Autoren des Videos stehen zumindest mit einer kleinen Zehe immer wieder in dieser Realitaet, weil sie sich mit dieser befassen muessen.

Das Video wuerde die neue Qualitaet dokumentieren, die mit dem Web verbunden ist, denn ohne Web (und die damit verbundene Informations- und Kommunikationstechnik) liesse sich das Video nicht herstellen. Die Form des Zusammenschlusses der Video-Autoren ist von der Freien Software uebernommen. Das Thema geht in doppelter Weise darueber hinaus: Das Video ist anders als ein Stueck Software ein Produkt mit einem viel offensichtlicheren Charakter. Zweitens naehert man sich der eigentlichen Produktion und deren weltumspannenden Zusammenhang. Und dieses ist das zentrale Thema, wenn es um eine neue Gesellschaftsformation geht. Mit dem Viedeo wuerde man sich praktisch an diese Fragen herantasten, anstatt ein neues theoretisches Papier zu dichten, das wieder nur in irgendwelchen Zirkeln gelesen und beliebig missverstanden wird.

** Nun noch zum Inhalt des Videos **

Oertliche Szenen werden von oertlichen Autoren ueber das Web zusammengetragen und zu einem gemeinsamen Produkt, einem Video, gebuendelt, das die zerklüftete und doch so eng zusammenhängende Arbeit auf dieser einen Erde zum Thema hat. Das Video soll ein gemeinsames Produkt vieler Menschen werden. Der eine dreht hier ein Stück und die andere dort ein Stück. Die einzelnen Autoren stellen die Stücke ins Web, binden sie zu einem gemeinsamen Video zusammen, diskutieren und entwickeln den Zusammenhang der Szenen, lassen die Menschen zu Wort kommen, die ins Bild treten. Die Autorinnen machen aus den vielen kleinen Stuecken eine ganze Geschichte.

Das Video soll nicht nur Mutti zeigen, wie sie Pappi den Kaffee in die Tasse gießt, wie Männer in der Kaffeepause an der Kaffeebude stehen und sich den Kaffee in den Kopf schütten, wie in Tiflis, wie in Rom oder Paris, in New Orleans oder in Rio, in Nairobi oder in Mekka der Kaffee gereicht wird, in den Bars, zu Hause oder wie er bei der Arbeit aus dem Kaffeeblech getrunken wird. Das Video soll nicht nur zeigen, wie ein Campesino mit seiner Familie die Kaffeebäumchen pflegt, die Bohnen erntet, sortiert, trocknet, irgendwie vermarktet, wie auf einer Kaffeeplantage die Landarbeiter den Kaffee transportfähig machen. Das Video soll viel mehr zeigen.

Zur Tasse Kaffee gehört auch die Tasse: Den Kaffee in hohlen Hand kochen, das geht nicht. Also, wo kommt die Tasse her, der Wasserkessel? Wie werden diese produziert? Auf welchem Ofen oder Herd, mit welcher Maschine wird das Wasser für den Kaffee erhitzt? Wo kommt diese Maschine her? Der Stahl, der dafür verwendet wurde? Woher kommt das Wasser, durch welche Rohre fließt es? Wer hat die Kaffeemaschine, den Herd gebaut, die Rohrleitung für das Wasser, den Brunnen? Usw.

Das Video soll beispielhaft hier und dort diese Zusammenhänge zeigen, die rund um den Globus reichen, den weltumschließenden Fluß von Stoffen und Gütern, der nötig ist, um zu unserm Schälchen "Heeßen" zu kommen. Das Video kann diese weltumschließenden Arbeiten, die diesen Fluß ins Leben gerufen hat, die ihn in Gang halten, an guten Beipielen zeigen: Da wird der Kaffee zum Hafen gefahren. Der Auspuff des Lastwagens geht zu Bruch, ein neuer Auspuff muß her. Man zeigt die Fabrik, wo der Auspuff hergestellt und ein neues Arbeitsgeraet installiert wird. Das Video zeigt die Arbeiter in jener Fabrik, in der dieses Gerät hergestellt wird, bei ihrer Kaffepause. Usw. Man kann zeigen, wie die Arbeit Hand in Hand geht und wie sie doch wieder auseinandertreibt, wie sie vergessen wird und doch so notwendig war. Wie sich der Arbeiter auf der Kaffeeplantage und das Mädchen, das an den Antipoden "seinen" Kaffee schlürft, so fremd sind wie noch was, verbunden durch die bloße Anzahl einiger Centavos, die die eine zahlt und der andere in seinem Lohn empfängt. Noch nicht einmal die gleichen Geldstücke sind es, die sie hinreicht und die er in die Hand bekommt.

Im Video kann man dieser Fremdheit nachspueren, die durch keine Urlaubsreise aufgehoben wird. Man kann diese persönliche Beziehung ergruenden, wo sie seine Arbeit genießt, sich aber mit "schnöder barer Zahlung" aus der Affäre zieht.
Alan Toner, Jamie King: Commons, Criminalization, General Intellect and the Politics of Technology and Culture: Direct Payments from Users to Producers as an Alternative to Intellectual Property Rights   (Vortrag / 1. Nov. / 18:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:
Historically the need for copyright and patent laws has been postulated as necessary in order to ensure the flow of revenue back to the producer, so that the production of culture or science can ber perpetuated. These laws consitute downstream constraints on the ways in which works can be used and inventions employed. These laws, derived from a theory of creativity determined by the figure of the desocialised individual of capitalist property relations, have always functioned as a fetter on creativity. This impediment has simply been rendered more manifest in the context of digitalisation and the ubiquitous networks.

1.

We propose the withdrawal of the law from the creative realm. In order to finance the production of independent culture we propose instead a system of user to producer direct allocation of funds. This is already occurring in discrete areas of the web in a voluntary manner. In order to increase the kitty, we propose a non-voluntary tax, or a tax credit, usable only for the purpose of funding cultural production. Distribution of funds would be left almost entirely in the hands of the users. 'Almost entirely' becuase we would set aside a portion (20%) for the funding of local cultural venues, workshops and studios, the tools or equipment necessary for creative activity.

A small component (somewhere under 5%) would be allocated on a lottery-like, basis, so as to introduce some randomness into the process.

The majority of the monies would go directly to artists/cultural producers; in exchange all works immediately enter into the public domain, or, wjilst awaiting copyright abolition, fall under a GPL-style copyleft license.

Media studies have found that the distribution of revenues in the culture industries follows a pattern often referred to as the Zipf curve, whereby a small number of very successful artists receive the lion's share of the money, whereas the overwhelming majority toil without any significant remuneration. The nature of preference formation in the capitalist market - integrated vertical media conglomerates, public relations and marketing schemes etc - determines this outcome.

The subversive quality of our proposal is that it breaks the relationship between consumption and remuneration at the user-end. We suspect that a system such as ours would produce positive effects:
  • the installation of a direct non-alienated relationship between the 'artists' and 'audiences'
  • a questioning of the competence of the state to make decisions over the use of the people's dead-labour (money, taxes)
  • a massive expansion of the number of people able to earn a sustainable living in cultural work
  • a cultivation of local and marginalised culture
  • make available works as primary matter to be trasformed, recombined and generally used to produce other works
  • the jettisoning of any justification for the introduction of technologies of control and privacy intrusion (such as Digital Rights Management)
  • the halting of the process of criminalisation of users as embodied in the No Electronic Theft Act 1997 and the Digital Millenium Copyright Act 1998
  • remove the abiding influence of patronage by commercial and authoritarian institutions (music companies, Arts Councils, broadcasters)
  • end the cycle whereby media conglomerates ownership of the past provides the revenue to control the nature of what is produced, distributed and 'popular' in the present and consequenty proising them control over the future.
  • provide collective social and cultural space reversing the trend towards privatisation and gated life
  • evidnec of the feasibility of self-management

2. Commons, General Intellect, Mass Intellectuality

Recent years have witnessed the adoption of the commons argument by many particpants in the intellectual property discussion. This concept's popularity arises as a response to a widely held belief that IP laws have expanded to such a degree as to constitute an 'anti-commons' and impede innovation. The adoption of this argument by 'enlightened' capitalists, some US 'libertarians' and a section of the liberal intelligentsia should push us to critically evaluate the potential consequences of a real-world adoption of the commons as policy. In short, if - as some proponents argue - a new commons is the predicate for the next wave of capitalist innovation and development, should social radicals feel at ease with this? Innovation holds a priveliged position in this discourse and yet is treated in an entirely uncritical way, ignoring what the consequnces of innovation on the distribution of work, money. Our new liberal allies come from exactly exactly the vantage point that welcomed enclosure and all its ruinous consequences back in the days where there was a commons in land. Food for thought.

Parallel to the comons discussion, a debate has been taking place amongst the Italian autonomists on immaterial labour, new forms and modes of production and what they call the 'general intellect'. This idea is drawn from Marx's 'Fragment on Machines', where he identifies the declining importance of living labour proportionate to the advancement of technology, which comes to embody the skills and social knowledge formerly drawn from workers hands and minds. The crux of this is that capitalist value production becomes progressively separated from living labour. Given that the left parties and trade union organisations have always constituted their claims for redistribution on the basis of a moral entitlement founded upon work and exploitation, if Marx's General Intellect provides a persuasive description of modern postfordist societies, the it becomes apparent that their politcal strategies are, basically, fucked. (But we knew that already!)

Capital requires a diffuse and flexible 'mass intellectuality' so as to grease production and generate innovation, but also to consume advertising and participate in the stock-market euphoria. The centrality of knowledge, language and communication to modern social reproduction places unprecedented potential power in the hands of workers, paradoxically at a time where the disassembling of social welfare and labour-guarantees subjects huge numbers of people to constant precarity. The shackles of copyright and patent laws can be obstacles - or rather one capitalist's rent-reaping machine is anothers impediment - bringing some Italian theorists to talk of the 'communist tendecy of capital' - another phrase that requires caution and scepticism, surely?

We propose a re-examination of the idea of the commons and the general intellect in the light of its strategic political possibilities and subversive potential. Against the new enclosures and for a commons that can be a base to transform social relations, rather than another slice of primary matter for the perpetuation of capitalism and the petrification that is its trademark.

III
Criminalisation is the inseperable partner of enclosure. E.P. Thompson documented the hundreds of capital offenses introduced commensurate with the Enclosure Acts of the eighteenth century, inaugurating the age described by Peter Linebaugh as the '...organized death of living labour and the oppression of the living by dead labour (the punishment of capital)."

In the 1990s, criminal punishments hitherto reserved for commercial 'pirates' were extended to threaten individual users, copying for private purposes. The No Electronic Theft Act of 1997 abolished the requirement of financial motivation as a predicate for the bringing of a criminal prosecution in the US. The following year the Digital Millenium Copyright Act introduced criminal penalties for the 'circumvention' of digital right management systems. In addition numerous pieces of legislation have criminalised unauthorised intrusion etc.

The shift to a targetting of users points to the fear felt by media conglomerates at the power of collective processes such as file-sharing, and p2p processes more generally - unless they can control the conditions of these networks deployment.

Historically criminalisation and enclosure of land - by removing the means of sustenance from the peasantry - also had the effect of producing a labour force to fuel urban industrial development. In this sense we can talk of the 'positive' and constitiutive force of criminalisation for capital.Furthermore users must be prevented from having access to a large stock of primary matter of other creative works, in order to sabotage the emergence of a 'prod-user' mass (appropriatiosit and recombinant), which would pose a threat to the current controllers of the culture industry in terms both of financial competition and cultural autonomy or self-determination.

In the digital arena, the fuction of criminal law is to shut down anti-establishment hacking repressively, integrate the sanctions of the hacking community disposed to working as security experts into the labour force, and generate a passive audience of consumers denied restricted by the fear of law and deterred by hard/soft-wired technological protections. In short, the purpose is 'to create a market'.

Happily, this strategem has so far proved unsuccessful. The right to 'Fair Use' of copyrighted works has been a central pole of the resistance in the digital sphere, such that many people now understand intellectual property expansion as a self-interested appropriation by the media business, entailing a usurpation of users' traditional rights.When one considers the short period in which file-sharing has been a mass phenomenon, this sense of 'customary right' is amazing, and bears out E.P. Thompson's argument of another period that :
" indeed some `customs' were of recent invention, and were in truth claims to new `rights'."

This section of the talk will consider the function of criminal law in the digital networks for the production of compliant subjects, attempt a realistic evaluation of the thrat of prosecution, and consider strategies for collective self-defense.

IV
Prod-users of the world unite!

Marc Fiedler: Die Musikindustrie auf dem Weg der Perversion ihrer Kernkompetenz   (Vortrag / 2. Nov. / 15:00 / Track A / Raum MA141)
Abstract:
Die Wertschöpfungskette der Musikindustrie hat sich von der ursprünglichen Kernkompetenz - der Reproduktion von Tonträgern und der Verbreitung von Musik - fortbewegt. Wirtschaftliche Erwägungen des Musikgeschäftes haben dazu geführt, daß Produktionen gewinnoptimiert sein müssen. Die Künstler selbst stehen im Schatten des zum Schwerpunkt gewordenen Vermarktungsapparates. Die Befreiung der Verbreitung von Musik von physischen Tonträgern durch das Internet (mp3, ogg, Streaming) brachte eine Schlacht an drei Fronten, den Künstlern, den Zuhörern und der Musikindustrie. Letztere scheut indes kaum Kosten, um die (kostenlose) Verbreitung der Musik ihrer unter Vertrag stehenden Künstler zu unterbinden. Die Musikindustrie als Verhinderer der Vermittlung zwischen Künstler und Konsument. - Die perversion ihrer eigenen Kernkompetenz.
Stefan Winkler: Open Archives, Open-Access E-Journals und Preprint Server: Sind kostenlose Digitale Bibliotheken ein Ausweg aus der Zeitschriftenkrise?   (Vortrag / 2. Nov. / 15:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Die Self-Archiving und Open-Access Community hat den grossen Wissenschaftsverlagen (Elsevier, Springer, Kluwer, etc.) den Kampf erklärt: Nach jahrelangen enormen Preissteigerungen bei wissenschaftlichen Zeitschriften - teilweise im zweistelligen Bereich jährlich, stagnierenden Bibliotheksetats und zunehmender Aufgabenfülle der Bibliotheken kam es zu schweren Einschnitten bei der Beschaffung von Monografien sowie massiven Abbestellungen von Zeitschriftenabos. Wissenschaftliche Bibliotheken und Fachgesellschaften wehren sich nun und
  • bilden Bibliothekskonsortien, die den Verlagen mit größer Verhandlungsmacht gegenübertreten und so deutliche bessere Preise und Abnahmekonditionen aushandeln
  • organisieren Self-Archiving Projekte (Preprint Server, Open Archives Initiative, Budapest Open Access Initiative)
  • finden Neugründungen von qualitativ hochstehenden Open-Access Zeitschriftentiteln statt, die den hochpreisigen etablierten Titeln Konkurrenz machen (Scholarly Publishing and Academic Ressources Coalition)
  • wird dazu aufgerufen nur noch die Zeitschriften zu abonnieren, herauszugeben, zu reviewen oder für sie zu schreiben, wenn diese spätestens nach 6 Monaten die Inhalte weltweit frei zugänglich machen (Public Library of Science)
  • werden ganze editorial boards dazu animiert, mit den Verlagen von überteuerten Zeitschriften in Verhandlungen zu treten, mit dem Ziel, die Abo-Preise zu senken. Wo sich die Verlage darauf nicht einlassen treten diese editorial boards auch schon mal geschlossen zurück und gründen eigene non-profit oder low-cost Zeitschriften gleicher Qualität. Das Renomme, die Leserschaft und das Autoreninteresse nehmen sie dabei mit.
In dem Vortrag werden aktuelle technisch-ökonomisch-soziale Hintergründe der sogenannten Zeitschriftenkrise beschrieben, der Markt für wissenschaftliche Publikationen (Verlage, Bibliotheken, Zeitschriftenagenturen, Fachinformationseinrichtungen, etc.) analysiert sowie die wichtigsten Initiativen der Self-Archiving oder Open-Access Community vorgestellt. Letztere werden aus marxistischer Sicht kritisch unter die Lupe genommen und in Bezug zu Ansätzen der Freien Software Bewegung, Open Source und Open Content Lizenzmodellen gesetzt.

Homepage von Stefan Winkler

Graham Seaman: The Two Economies: or, why the washing machine question is the wrong question   (Vortrag / 2. Nov. / 17:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:

Free software development appears to be a fragment of a new mode of production. The dependencies of this fragment on the old economy, and vice versa, affect both their natures.

The escape from this situation will not be by technological changes alone. To become more than a fragment, the dependencies of the new on the old economy must decrease, while the dependencies of the old on the new increase. And the new must spread to new social areas - a process which has begun with the pressure for use of free software by states around the world, and adoption of the rhetoric of free software by supporters of academic freedom within the universities.

Roland Schnell: Biogas-Nutzung und Freie Software   (Vortrag / 3. Nov. / 10:00 / Track B / Raum MA004)
Abstract:
Technologien zur Nutzung Erneuerbare Energien die in einigen Jahrzehnten fossile Energieträger und Atomenergie ersetzen werden, werden dringend benötigt. Die dazu erforderlichen Entdeckungen und Erfindungen werden nicht in den Labors der Großunternehmen gemacht, sondern oft sind es geschickte Techniker, die als "Bastler" abqualifiziert werden oder Leute, die solche Anlagen selbst betreiben und Verbesserungen ersinnen. Er seit neuem beginnen Großunternehmen Fuß zu fassen. Wind- und Solarenergie sind schon fest in der Hand von High-Tech-Unternehmen, bei Biomasse geht es schon stark in diese Richtung. Wasserkraft, zumindest in Form großer Staudämme, ist schon Jahrzehnten fest in der Hand der Global Players.

Wie es auch anders gehen kann, zeigt die Entwicklung der Biogas-Technik in Deutschland und den unmittelbar angrenzenden Nachbarländern. Vor etwa 2 Jahrzehnten haben Landwirte, die den Platz und den Rohstoff in Form tierischer Exkremente hatten, in Zusammenarbeit mit entsprechend motivierten Technikern damit begonnen, Biogas als Energieträger nutzbar zu machen. Mit einfachsten Mitteln, die teils vom Schrott geholt wurden, sind die ersten Anlagen entstanden und immer weiter verbessert worden. Vieles wurde in persönlichen Gesprächen, beim gemeinsamen Bauen einer Biogasanlage, bei organisierten Besichtigungen in Form sogenannter "Biogas-Lehrfahrten" weitergegeben. Über gute und schlechte Betriebserfahrungen, Auswahl von Werkstoffen, günstige und ungünstige Bauweisen wurde frei gesprochen und kaum ein Betreiber kam auf die Idee, sich etwas durch ein Patent oder Gebrauchsmuster schützen zu lassen.

Ein wichtiger Akteur der ersten Stunde war die "Bundschuh-Biogas-Gruppe", die Anknüpfend an die Tradition des Bundschuh aus den Bauernkriegen in Hohenlohe in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts den Kampf gegen eine Teststrecke von Mercedes-Benz aufgenommen und gewonnen hat. Man wollte nicht nur gegen etwas sein, sondern etwas Sinnvolles mit den Mitteln und Techniken der Landwirtschaft machen. Diese Mentalität ist heute immer noch spürbar und viele Landwirte, vom bäuerlichen Familienbetrieb bis zum großen Agrarunternehmen sehen in der Biogastechnik ein Instrument, das ihnen ein größeres Stück Eigenverantwortung zurückgibt, nachdem viele Funktionen, z.B. die Futtermittelbereitung mit den bekannten Folgen (Nitrofen-Skandal) an überregional und international agierende Dienstleister abgegeben werden mußten. Hier gibt es deutliche Parallelen zur Freien Software, allerdings wurde das, was unter Landwirten ohnehin üblich ist, daß man sich gegenseitig mit Rat und Tat unterstützt, nicht durch ein theoretisches Konzept begründet.

Weit mehr als bei anderen Erneuerbaren Energien ist der Betreiber, auch als Planer, in der Lage die Prozesse zu bestimmen. Er kann Erfahrungen sammeln und diese andere weitergeben, die in der gleichen Situation sind. In verschiedenen Regionen gibt es Gruppen, die sich zu diesem Zweck regelmäßig treffen. Die Professionalisierung greift auch beim Biogas um sich. Es sind Firmen entstanden, die zum Teil schon Erfahrungen oder materielle Erfindungen einzelner Betreiber als ihre geistige Leistung verkaufen. Auch die staatlichen Stellen bevorzugen in ihrer Förderungpolitik Firmen und offizielle Forschungseinrichtungen. Das kollektive und nicht kommerziell wirksam werdende Know-How der Praktiker wird gering geschätzt.

Die Organisationsmodelle, die im Zusammenhang mit freier Software entwickelt wurden, könnten, das Bewußtsein schärfen, daß viele Detailverbesserung Teil eines großen Ganzen ist, das allen gehört. Durch LINUX ist diese Idee bis in die abgelegensten Bauernhöfe bekannt, die ja heute alle leistungfähige Computer und Internet-Zugang haben.
Uwe Müller: Projekt Hostsharing eG: Übertragung der Prinzipien Freier Software: Open-Source auf ein Wirtschaftsmodell übertragen, wie geht das?   (Vortrag / 3. Nov. / 15:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:

Zwei Jahre - eine Zwischenbilanz

1. Die Idee

Hostsharing eG versucht den Gedanken von Open-Source auf Internetdienstleistungen zu übertragen. Ziel ist dabei, die Philosophie von Open-Source auf ein wirtschaftlich, tragfähiges Geschäftsmodell zu übersetzen.

Dieses Geschäftsmodell muß in seinen Grundfesten offene Kommunikation, weitgehende Mitbestimmung der Teilnehmer und einen offenen Know-how Austausch erlauben um die Philososphie von Open-Source zu bewahren.

2. Das Modell

Die Rechtsform der Genossenschaft ermöglicht eine per Gesetz und damit Personen unabhängige, festgelegte Mitbestimmung der Mitglieder und Transparenz in wichtigen technischen und finanziellen Fragen.

Genossenschaftsgesetz Open-Source
Mitbestimmungsrecht ist im Genossenschaftsgesetz verankert, unabhängig von Personen. offene Kommunikation, Transparenz
unterliegt einer strengen Kontrolle durch einen Aufsichtsrat dem Genossenschaftsverband und den Mitgliedern. "Kontrolle" durch die Open-Source Community.
erlaubt einfache Gesellschafter Ein- und Austritte. niedrige Einstiegsschwelle bei Open-Source Projekten.
In der Regel Mitglieder-Fördernd. Scratch-Your-Own-Itch.
Weitgehende individuelle Gestaltung von Satzung und Geschäftsordnungen. Individualität von OSS.
geringe Gründungskosten, geringer Kapitalbedarf. Bei Open-Source kann jeder mitmachen
Wirtschaftliche Förderung der Mitglieder zulässig Austausch von Know-How.

Die Genossenschaft ist damit die ideale Wirtschaftsform, um Open-Source unter Wahrung seiner Philosphie zu übertragen.

3. Das Drei-Säulen-Modell

Die Basis der Wirtschaftlichkeit bildet das von den Gründern entwickelte Drei-Säulen-Modell. Ziel ist es, eine gesunde wirtschaftliche Basis zu entwickeln um äußere finanzielle Zwänge weitestgehend zu vermeiden. Gesundes Wachstum, Qualität und Kontinuität statt Masse. Im Zentrum steht die Philosophie von Open-Source, Sachlichkeit und wirtschaftliche Förderung ihrer Mitglieder.
Rubrik »Wissenschaft«
S. S. Levine: Altruism in Cyberspace? The Voluntary Sharing of Goods On-line   (Vortrag / 2. Nov. / 15:00 / Track C / Raum MA005)
Abstract:
The rise of the Internet has created new venues for human interaction. While participants in a Usenet newsgroup have never met face to face and hardly know any personal information about each other, they engage in incessant voluntary sharing of economically valuable goods, without any immediate return. Moreover, the contributors cannot trace or identify the beneficiaries, and reciprocation is not guaranteed or even enforceable. The phenomenon has received little academic attention, and popular press coverage has attributed its existence to technological developments, overlooking the social context that underlies it. Based on qualitative research methods, the article describes the various activities that take place within the newsgroup, the way in which the structure and the norms of the group facilitate sharing, the participants’ viewpoint on the phenomenon, and the technological environment that encompasses the activity. Subsequently, several plausible explanations are considered, including low cost, gain from externalities, reciprocity, social norms, common pool resources, and warm glow. It is shown that none of these approaches explains the phenomenon well. The article concludes with recommendations for researchers and for managers, especially those in companies that engage in electronic business or produce digitizable content.